Auf fast jedem Fliesenetikett steht ein R mit einer Zahl. Diese Kennzahl entscheidet darüber, ob ein Boden nass noch begehbar ist – und sie lässt sich nachträglich nicht ändern.
Was die R-Klasse misst
Die Rutschhemmung wird auf einer schrägen Ebene geprüft: Man erhöht den Neigungswinkel, bis eine Person ins Rutschen kommt. Je höher der Winkel, desto höher die Klasse. R9 beginnt bei etwa sechs Grad, R13 liegt jenseits von 35 Grad.
Welche Klasse wohin gehört
- R9 – Wohnräume, Schlafzimmer, Esszimmer. Überall dort, wo der Boden trocken bleibt.
- R10 – Bad, Küche, Eingangsbereich, Gäste-WC. Räume, in denen regelmäßig Wasser auf den Boden kommt.
- R11 – Terrasse, Balkon, bodengleiche Dusche, Waschküche, gewerblich genutzte Räume. Dort, wo Wasser länger auf der Fläche steht.
- R12 und R13 – Küchen im Gastronomiebetrieb, Produktion, Werkstatt. Für den Wohnbereich zu grob in der Reinigung.
Der Zielkonflikt, über den selten gesprochen wird
Je höher die Rutschhemmung, desto rauer die Oberfläche – und desto aufwendiger die Reinigung. Eine R11-Fliese im Wohnbad ist kein Sicherheitsgewinn, sondern ein Putzproblem. Umgekehrt ist R9 in der bodengleichen Dusche fahrlässig.
Deshalb lohnt sich die Frage nach dem tatsächlichen Nutzungsprofil: Wer duscht hier, wie oft, und wie viel Wasser landet wirklich auf der Fläche?
Barfußbereiche haben eine eigene Skala
Für nasse Barfußbereiche – Dusche, Schwimmbad, Umkleide – gilt zusätzlich die Klassifizierung A, B und C. A entspricht dem flachen Beckenrand, C der Beckentreppe. In privaten Bädern ist B in der Dusche eine solide Wahl.
Wo Sie es sehen können
Rutschhemmung lässt sich nicht am Bildschirm beurteilen. In unserer Ausstellung in Bonn-Lengsdorf liegen die Serien als Fläche – Sie können mit der Hand über die Oberfläche gehen und den Unterschied zwischen R9 und R11 direkt spüren.